Lang befristete Mietverträge: Schuldenfalle bei Praxisgründung

Die Beratungspraxis zeigt es immer wieder: Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen bei Neugründung einer Arztpraxis ist die Wahl des Mietobjekts und das Verhandlungsgeschick bei Abschluss des Mietvertrages über die Praxisräume. Es ist keine Seltenheit, dass Vermieter zunächst wie selbstverständlich Laufzeiten zwischen mindestens 5 und 10 Jahren fordern. Oft wird übersehen, dass der Gründer sich hierdurch nicht nur verpflichtet, den Mietzins in jedem Fall über die gesamte Laufzeit zu begleichen – unabhängig von der wirtschaftlichen Situation der Praxis. Der Neugründer büßt auch erheblich an Flexibilität für die berufliche Fortentwicklung ein.

Lässt die Lage der Räume keine Erweiterungsmöglichkeit zu, steht der lange Mietvertrag im Zweifel auch einer sich kurzfristig bietenden Chance zur Änderung des Standortes oder der Eingehung eines beruflichen Zusammenschluss mit anderen Kollegen entgegen.

Deshalb gilt die Devise: Verhandeln, bis der Arzt kommt (besser: geht)! In den meisten Fällen kann es sich der Vermiter angesichts der Marktlage tatsächlich nicht leisten, Änderungswünsche des Gründers zu ignorieren. Ausstiegsklauseln bei wirtschaftlicher Erfolglosigkeit in den ersten Berufsjahren sind ebenso ratsam wie solche bei dauernder Berufsunfähigkeit. Kürzere Vertragslaufzeiten ermöglichen es dem Mieter auch früher, bei Ablauf der vereinbarten Mietzeit über den Mietzins nachzuverhandeln, sofern es der Immobilienmarkt zulässt.

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