Fragwürdige Arzt-Bewertungen im Internet

Die Welt-Online berichtet über Internetportale, in denen Patienten Mediziner und Gesundheitseinrichtungen – oftmals anonym – beurteilen können.
„Sehr unfreundlich, lange Wartezeiten, absolut nicht kompetent“ wird z.B. ein vernichtendes Urteil über einen niedergelassenen Arzt in Norddeutschland zitiert, das sich auf dem Internetportal „Topmedic“ finden soll (www.topmedic.de). Während die Ärzte namentlich genannt werden, kann jeder Patient die Bewertung anonym abgeben. Weitere Portale finden sich z.B. auf www.arztspiegel.de und www.pflege-ampel.de.

Quelle: Welt-Online.de vom 05.08.2007

Betroffenen Ärzten kann nur geraten werden, sich gegen solch herbe Kritik offensiv zur Wehr zu setzen. Immerhin werden von den Benutzern zumeist Tatsachenbehauptungen aufgestellt (z.B. lange Wartezeiten, Qualität der Leistung), auch wenn es sich um vermeintlich subjektive Eindrücke der Patienten handelt. Solche Tatsachenbehauptungen können die Straftatbestände der üblen Nachrede oder der Verleumdung verwirklichen (§ 186-187 StGB). Kann der Patient (oder der Betreiber des Portals) – was regelmäßig zu erwarten sein wird – die Wahrheit der behaupteten Tatsache nicht nachweisen, ist der Eintrag unverzüglich zu löschen.
Eine weitere Frage ist es, inwieweit solche Benotungssysteme überhaupt sinnvoll betrieben werden können, da solche Benotungssysteme (z.B. bzgl. der Wartezeit oder der Kompetenz des Behandlers) zumeist reine Mutmaßungen sind. Die Zukunft dieser Plattformen hängt von der Gegenwehr der Ärzteschaft und damit auch von jeden Arzt selbst ab.

Beim Verdacht auf eine solche Straftat sollte versucht werden, vom Forenbetreiber Auskunft über den Urheber des Eintrages zu erlangen. Von diesem kann Unterlassung weiterer Publikationen, Schmerzensgeld und Schadensersatz verlangt werden – auch wenn Letzteres schwer durchzusetzen sein dürfte. Unabhängig davon ist auch der Forenbetreiber zur Entfernung unwahrer Tatsachenbehauptungen oder ehrverletzender Äußerungen verpflichtet (wir berichteten in unserem Wettbewerbsrecht-Blog).
Das gilt erst recht, wenn die Portale für gefakte Beurteilungen genutzt werden, die von der Konkurrenz veranlasst worden sind.

19 Responses to “Fragwürdige Arzt-Bewertungen im Internet”


  • Hallo Herr Dr. Stockmann,

    wenn es um beleidigende Äußerungen geht, kann man Ihnen nur beipflichten: Ärzte müssen sich das nicht gefallen lassen. Aber malen Sie nicht ein bisschen sehr schwarz? Patienten können ja auch nette Menschen sein, die sich positiv über einen Arzt äußern. Ärzte könnten aus kritischen Kommentaren vielleicht sogar Schlüsse ziehen, was sie in ihrer Praxis verbessern können.

    Statt gleich mit dem juristischen Säbel zu rasseln, kann man auch auf die Patienten zugehen. Ärzte können ihre Patienten zu einem fairen Umgang miteinander aufrufen, aber sie sollten nicht versuchen, den mündigen Patienten ein Redeverbot zu erteilen!

    Sie haben doch sicher auch schon mal jemanden um eine Empfehlung gebeten, als Sie einen Art gesucht haben, oder?

    Freundliche Grüße aus Kassel,

    Karsten Richter

  • Sehr geehrter Herr Richter,

    “…Patienten können ja auch nette Menschen sein, die sich positiv über einen Arzt äußern…”

    Da habe Sie Recht, zum weit überwiegenden Teil sind sie das ja auch.
    Das Problem entsteht ja “nur” bei unwahren Tatsachenbehauptungen oder gefakten statements. Ein Empfehlungsportal für Ärzte lebt aber auch von Kritik. Man muss davon ausgehen, dass den Arzt jede Form der öffentlichen und dazu noch anonymen Kritik stört. Das ist das Problem, zumal eine Tatsachenbehauptung aus Sicht des Patienten richtig sein kann, der Arzt aber zB. für eine lange Wartezeit konkret nichts kann (z.B. Notfälle). Dann sollte er sich dagegen wehren. Oder soll die wahre Ursache langer Wartezeiten egal sein, wenn sie in einem solchen Portal veröffentlicht werden? Sicher nicht.

    Grüße aus Jena

  • Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Die Meinungen von Patienten zu hören ist sicherlich auch für Ärzte sehr spannend. Wenn natürlich in den Empfehlungen oder Bewertungen Kommentare auftauchen, die über die Grenzen hinaus gehen (zu “fachlich”, zu weit gehende Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen), dann ist es zweifellos das Recht des Arztes und die Pflicht der Plattformbetreiber, hier einzugreifen.

    Mein Impuls ging vor allem dahin, nicht die Idee als solche sofort abzulehnen sondern das Positive daraus zu nutzen und sich – warum nicht auch gemeinsam mit den verschiedenen Beteiligten – zu überlegen, wie man Schwierigkeiten begegnen kann.

  • Ich habe bei meiner Frauenärztin jeweils pro Termin mindestens eine Stunde warten müssen. Niemals habe ich von der Ärztin oder den Mitarbeiterinnen freiwillig eine Erklärung für diese Verzögerung erhalten, auch in anderen Arztpraxen nicht. Die gängige Erklärung, die ich auf Nachfragen erhielt, lautete immer: Notfall. Merkwürdigerweise saßen aber schon morgens 2 bis 3 Patientinnen im Warteraum, die genau wie ich “den ersten Termin der Tages” vereinbart hatten. Das habe ich zwei Mal mitgemacht, beim dritten Mal habe ich dem Personal meine Meinung gesagt und bin nach einer Stunde Warten ohne Behandlung gegangen. Seitdem bin ich bei einer anderen Ärztin, die kundenfreundlichere Terminpraktiken hat.
    Wenn also ein Arzt sich beschwert, er würde unfair bewertet, weil ja die Patienten die Gründe für die Verzögerung gar nicht kennen: Warum werden diese Gründe und die sich voraussichtlich ergebende Verzögerung nicht den betroffenen wartenden Kunden (!) mitgeteilt? Selbst die Deutsche Bahn informiert mittlerweile ihre wartenden Kunden, aber ich denke,manche Ärzte halten sich noch immer für so hoch über dem Patienten stehend, daß sie glauben, Erklärungen oder gar Entschuldigungen nicht nötig zu haben. “Patient” bedeutet “Geduld, geduldig” – dies ist aber ein sehr altes Wort und bedeutet nicht, daß die Patienten auf ihren – vorher vereinbarten – Termin zu warten haben, egal, wie lange es dauert.
    Insofern finde ich Bewertungen solcher Praktiken und Praxen durchaus akzeptabel, und ich wünsche mir, daß Ärzte, die meinen Beitrag lesen, ihr Verhalten überdenken.

  • Wovor haben die Ärzte Angst?
    Mittlerweile gibt es für jedes Produkt und für jede Dienstleistung ein Bewertungssystem – nur die Ärzte haben damit ein Problem.
    Dabei ist gerdae dieser Bereich von besonderer Wichtigkeit.
    Jeder der schon einmal von einem inkompetenten Fuscher behandelt wurde, kann dies bestätigen. Es ist einfach naiv zu glauben, bei Ärzten würde es so etwas nicht geben, daß käme nur bei Klemptnern und Maurern vor.

    Wann kommen wir endlich von diesen “Götter in weiß”-Wahn herunter und behandeln Ärzte endlich als das was sie sind – Dienstleister, die sich der Kundenkritik stellen müssen, wie jede andere Gruppe auch.

    Natürlich ist Kritik immer subjektiv – na und? Ist dies bei Autotests etwa anders?
    Nur das dort keine Zeitung die Autohersteller auffordert die Tester zu verklagen.

  • Ich glaube, man muss auch differenzieren, um welches Portal es geht. Bei den Preisvergleichsportalen für Ärzte erfolgt eine subjektive Bewertung der Ärzte durch die Patienten nach einer Behandlung. Hier ist aufgrund der vorigen Anonymität von Ärzten und Patienten sichergestellt, dass ein tatsächliches Behandlungsverhältnis stattgefunden hat – und der Arzt stimmt in den AGBs meines Wissens nach zu, dass sowohl positive als auch negative Bewertungen veröffentlicht werden. Damit haben diese Bewertungen schon einen Wert für andere Patienten (z.B. http://www.arzt-preisvergleich.de/d_62_Zahnarzt_Muelheim-Ruhr )

  • Wie schon oben geschildert ist auch ein Arzt ein Dienstleister, welcher nach dem Bemühungsprinzip seine Leistung abgibt und diese auch dementsprechend bewertet werden sollte.
    Früher gab es lediglich die Mundpropaganda, welche Praxen füllte oder auch einen Arzt zur Aufgabe zwang.
    Die jetzigen Internetportale ermöglichen nun eine viel breitere Patientenschicht anzusprechen.
    Und was heißt “subjektiv”? Ab wann wird aus Subjektivität Objektivität? Ab 10 oder 100 gleichlautenden Patietenaussagen oder erst auf Grund richterlichem Urteil?
    Ich persönlich habe unter zwei Fehldiagnosen zu leiden gehabt.
    Ich finde es angebracht, künftige Patienten deshalb zu warnen.
    Ob diese dennoch diesen oder jenen Arzt trotzdem aufsuchen, sei diesen überlassen.
    Auch unter den “Göttern in Weiß” findet ein gewisser Wettbewerb statt von dem letztendlich der Patient profitieren kann.
    Natürlich bleiben positive Erfahrungen auch nicht unerwähnt.
    In meinem Fall habe ich zwei Ärzte die das Prädikat “sehr
    empfehlenswert” verdienen.
    In einem solchen Fall steht jedoch der Begriff “subjektiv” vermutlich nicht mehr zur Debatte.
    Allen negativ Betroffenen gebe ich den Rat, sich bewußt zu machen, dass sie Kunde bei einem Dienstleister sind und sich trotz weißem Kittel lautstark Luft verschaffen sollten.
    Je mehr Patienten im Wartesaal (welche mithören), desto höher ist die Wirkung.
    Falls Ihr Fernseher oder Ihr Auto nicht zufriedenstellend repariert worden ist, kneifen Sie doch auch nicht.

  • Wer an einen neuen Wohnort zieht und dort auch einen neuen Hausarzt sucht, tappt zunächst bei der Arztwahl im Dunkeln. Dsehalb finde ich Bwertungsportale schon in Ordnung, aber sie sollten anders aufgezogen sein.
    Die Bewertungen sollten eben nur positiv sein. Denn mit negativen Bewertungen ist es sicherlich immer problematisch – es können auch persönliche Ressentiments eine Rolle spielen. Es wäre mir als neuer Patient wirklich egal, ob irgendwer mit seinem Arzt nicht klar kommt.

    Aber interessant wäre schon, wenn ein Arzt dutzendweise positive Bewertunegen bekäme.
    Und juristisch wäre das auch ganz unproblematisch – vermute ich mal.

    Für mich persönlich sind deshalb nur positive Bewertungen relevant. Auch schon deswegen, weil jemand schon wirklich sehr zufrieden sein muss, wenn er sich die Zeit nimmt, seinen Arzt solchermaßen zu loben.

    Bewertungen auf dieser Basis halte ich für sehr wertvoll. Hat ein Arzt keine solchen vorzuweisen, möge er sich vielleicht ein wenig mehr darum bemühen.

  • Hallo,

    Prinzipiell finde ich die Option, Ärzte zu bewerten sehr hilfreich. Es müsste nur auf den o. genannten Seiten , (wie es auf youtube bereits praktiziert wird) die Option geben, auch die Beiträge zu kommentieren. Offensichtliche Lügner könnten so schneller ausgemacht werden und von zufriedenen Patienten, die ander Erfahrungen gemacht haben prompt abgemahnt werden…

  • Hallo Herr Stockmann,
    Ich bin von http://www.DocInsider.de, und möchte an dieser Stelle berichten, wie es nach 5 Monaten bei uns auf dem Portal aussieht. Inzwischen haben wir über 15.000 Bewertungen und 3000 Beiträge im Gesundheitsfragen und Antwortenbereich. 80% davon sind positiv, und wir mussten lediglich 11! davon wegen Tatsachenbehauptungen löschen. Diese haben wir aber anonym in unserem Blog http://www.docinsider.wordpress.com veröffentlicht, um hier Transparenz zu wahren.
    Für diese gute Quote haben wir auch eine Erklärung: die Patienten sind mit ihren Ärzten zufrieden. Damit bei http://www.docinsider.de aber die Qualität gewahrt wird haben wir eine ausführliche technische Prüfung der Beiträge und eine aktive soziale Kontrolle unserer Mitglieder. Ausserdem werden registrierte Ärzte bei DocInsider per E-Mail benachrichtigt sobald sie bewertet wurden, und sie haben die Möglichkeit per Kommentar auf die Bewertung zu reagieren.
    Denn weder der Arzt noch der Patient hat etwas davon wenn Probleme nicht besprochen werden. Die Patienten suchen sich in der Regel einen neuen Arzt und die Ärzte können ihre Entwicklungspotentiale nicht realisieren. Die meisten Probleme in der Arzt – Patientenbeziehung entstehen auf der Kommunikationsebene. Wir bieten die Plattform für die Kommunikation zwischen Arzt und Patient – und haben gute Erfahrungen gemacht das diese Möglichkeit erkannt und auch genutzt wird.
    Herr Stockmann haben Sie schon Ihre Ärzte bewertet?

    @Manfred Pfirrmann – es hat niemand etwas von einer rein positiven Beurteilung, denn nur durch positive und negative Kommentare lässt sich ein Bild machen. Was sagt mir die Bewertung 3,76 über die Qualität der Behandlung aus oder “15 x gut”? Nur ein Freitextfeld in der die gegebenen Punkte erläutert werden können ermöglicht es Patienten sich im Vorwege über eine Praxis zu informieren, und dem Arzt seine Leistung zu verbessern.

    Viele Grüße

    J. Bandick

  • Auch die aktuelle Rechtsprechung in diesem Bereich spricht für die Portalbetreiber. Erst diese Woche wurde spickmich.de erlaubt, Lehrer benoten zu lassen. Eine Lehrerin aus NRW hatte sich durch die Schülerbewertungen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt und vor dem Landgericht Duisburg geklagt. Das sah der Richter nicht so und verwies auf das Recht auf freie Meinungsäusserung. Auch beim neuen Portal http://www.rechtsanwalt.am können Rechtsanwälte bewertet und kommentiert werden. In dieser Branche kann die Transparenz ebenfalls
    durch web 2.0-Seiten durchaus verbessert werden.

  • Das wichtigste ist m.E die ausführliche Beschreibung warum ein Patient zufrieden war oder nicht. Nur so kann ich einer Bewertung beimessen ob sie für mich Relevanz hat. Pauschale Aussagen wie “ewig im Wartezimmer” gesessen sind nur wenig hilfreich.

  • Wichtig sind aus meiner Sicht Fairness und Transparenz – bei http://www.keduni.de, dem Bewertungsportal für Anwälte, Notare, Steuerberater und andere Beratungsdienstleister, müssen Bewerter Name und E-Mail-Adresse angeben. Kritische Bewertungen sind erlaubt und erwünscht, nicht jedoch unsachliche oder beleidigende. Im Ergebnis nützt eine solche Bewertungsseite allen – potentielle Mandanten können einen geeigneten Berater finden, die Berater wiederum treffen auf potentielle Mandanten und Klienten, die einen Berater suchen und eine informierte Entscheidung treffen wollen.

  • thomas münsterjohann

    wenn es erlaubt ist daß Patienten ihre Ärzte bewerten ist es dann auch erlaubt, daß Ärzte ihre Patienten bewerten?

  • Die ganzen Ärztebewertungen sind Blödsinn, denn es lohnt sich für einen Arzt ja überhaupt nicht, seinen Service zu verbessern. Die Bezahlung ist – dank fester Budgets – immer dieselbe. Ganz im Gegenteil, nervige Patienten abzuwimmeln zahlt sich sogar finanziell aus. Keinen arzt stört es, wenn ein Patient, dem es nicht gefällt woanders hin geht. Die Zukunft sieht sowieso anders aus: durch den zunehmenden Ärztemangel werden die Patienten um Ärzte kämpfen und nicht umgekehrt…!

  • Schlechte Bewertungen, wie “lange Wartezeiten”, können auf den meisten Portalen von anderen Nutzern korrigiert werden. Ich selber habe das letztens gemacht bei einer tollen Praxis, die, weil sie eben so beliebt ist, auch recht überlaufen ist. Dort habe ich einen entsprechenden Kommentar richtig gestellt, und darauf hingewiesen, dass nur wer keinen Termin hat, lange warten muss. Aber auch ansonsten muss es ja kein Schade für den Arzt sein: Wenn ich einen wirklich guten Arzt will, nehme ich auch lange Wartezeiten in Kauf, wenn ich dagegen nur regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen dort machen will, aber nichts habe (z.B. beim Zahnarzt), will ich schnell drankommen. Ansonsten halte ich diese Portale für absolut notwendig – ich wüsste wirklich nicht, wie ich mir ohne sie hier in Berlin einen Arzt in meiner Nähe suchen sollte, denn Mundpropaganda funktioniert hier nicht, weil die von Freunden empfohlenen Ärzte häufig am anderen Ende der Stadt wohnen. Im Moment sehe ich nur das Problem, dass es unglaublich viele Portale gibt, die alle noch relativ wenig Bewertungen haben, also höchstens 2-3 pro Arzt, häufig nur eine oder gar keine. So kann man sich kein differenziertes Bild machen und “gefälschte” Einträge etwa von der Konkurrenz oder positive von Freunden des Arztes fallen zu stark ins Gewicht. Insofern kann ich nur plädieren – auch im Sinne der Ärzte – schreibt mehr Bewertungen!

  • Ich stehe diesen Bewertungsportalen sehr kritisch gegenüber, da häufig auf die allegmeinen Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht geachtet wird und zumeist lediglich subjektive Empfindungen dargestellt werden. Es stellt eine Form des öffentlichen Prangers dar.

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