OLG Karlsruhe: Kinderarzt haftet für unterlassene Überweisung eines schielenden Kindes an Augenarzt – Urt. v. 14.11.2007, Az. 7 U 251/06

Ein Kinderarzt, der ein schielendes Kleinstkind nicht unverzüglich zum Augenarzt überweist, begeht einen groben Behandlungsfehler. Das entschied das OLG Karlsruhe mit Urteil vom 11. November 2007.

Es gehöre zum Grundwissen eines jeden Kinderarztes, dass Schielen im Kleinstkindalter ein Symptom für verschiedene schwerwiegende Augenerkrankungen sein kann.
Im vorliegenden Fall hatten die Eltern des Kindes den Arzt bereits im siebten Lebensmonat bei der Vorsorgeuntersuchung U 5 auf das Schielen hingewiesen, das zwei bis drei Monate zuvor aufgetreten war. Der Arzt riet zum Abwarten. Ein Augenarzt, den die Eltern dann ohne Überweisung aufsuchten, stellte schließlich bösartige Netzhauttumore in beiden Augen fest.
Die Augen mussten daraufhin entfernt werden, das Kind erblindete.
Bei einer früheren Diagnose hätte ein Auge mit 30 Prozent Sehschärfe erhalten werden können. Das OLG Karlsruhe verurteilte den Mediziner zu 90 000 Euro Schmerzensgeld, eine monatliche Rente von 260 Euro und den Ersatz künftiger Schäden zu Gunsten des Kindes.

Quelle: Stuttgarter Zeitung

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